LUKEN ZWISCHEN JULES VERNE UND ISS GEÖFFNET

05. april 2008

by raumfahrt.zeitung

Seit heute ist das ATV Jules Verne nun endgültig ein vollständiger Teil der Internationalen Raumstation. Nachdem die Mannschaft der Expedition 16 die Luken zwischen ISS und ATV bereits am Freitag, kurz nach Mittag, vorübergehend einmal kurz geöffnet hatte, um eine Luftreinigungsanlage im ATV zu installieren, so erfolgte die eigentliche räumliche Verbindung beider Raumfahrzeuge am heutigen Samstag um 10.30 Uhr MESZ.

Die Installation des temporären Luftfilter war eine von vorn herein geplante Prozedur, die zum Standard bei derartigen Andockvorgängen gehört. Immerhin war das ATV bereits Anfang Dezember letzten Jahres für die Startvorbereitungen hermetisch verschlossen worden. In den fast vier Monaten, die seitdem vergangen sind, können sich durch die stattgefundenen Transfers, den Start selbst und den anschließenden Flug in der Schwerelosigkeit durchaus Staubpartikel und Kleinstteile aus den Nutzlasten gelöst haben, welche die Astronauten nicht unbedingt einatmen sollen. Zusätzlich erreicht man mit dieser Maßnahme auch eine simple Verbesserung der Geruchsqualität der zuvor „stehenden“ Luft im druckbeaufschlagten Frachtraum von Jules Verne.

Das europäische ATV ist der erste vollständig neu für den Einsatz an der ISS entwickelte Raumflugkörper, der in den letzten neun Jahren am orbitalen Außenposten angedockt hat. Darüber hinaus ist es erstmals gelungen, ein in Europa entworfenes und gebautes Raumfahrtzeug bei einem automatischem Andockvorgang mit einem anderem orbitalen Fluggerät zu koppeln.

Jules Verne kann als Transportschiff etwa dreimal soviel Ladung aufnehmen, wie ein russischer Progress-Frachter. Sofern erforderlich, kann er mittels seines Antriebssystems und der mitgeführten Treibstoffreserven dafür benutzt werden, durch gezielte Triebwerkszündungen, die Umlaufbahn der gesamten Raumstation anzuheben. Dies ist in Abständen immer wieder notwendig, da auch in Flughöhen von fast 400 Kilometern immer noch genügend Reibung durch Atmosphärenteilchen wirksam ist. Diese bremst die ISS soweit ab, dass ihre Umlaufbahnhöhe kontinuierlich, ohne diesen zusätzlichen Schub, absinken würde. Bisher konnten solche „Boosts“ nur bei gelegentlichen Besuchen der amerikanischen Raumfähren und der russischen Progressfrachter durchgeführt werden.

Jules Verne wird nunmehr für etwa vier Monate an der Raumstation verbleiben. Danach werden die Astronauten der nächsten Langzeitmannschaft angefallene Abfälle, nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände und sonstige Verbrauchsmaterialen in den Frachtraum des ATV verladen. Nach dem Verlassen der Station und dem gezielten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, verglühen diese dann genauso wie der komplette Raumfrachter selbst.

Mit dem angedockten Columbus-Labor und dem ATV am Heck der Internationalen Raumstation, ist Europa nach Jahren des Wartens und der Ungewissheit nun endgültig in der ersten Liga der bemannten Raumfahrt angekommen. Darüber hinaus konnte die ESA und die von ihr beauftragte europäische Raumfahrtindustrie eindrucksvoll beweisen, zu welchen Leistungen sie auf diesem Gebiet fähig ist. Insbesondere die vollautomatischen, völlig neuartigen Rendevouz- und Entfernungsmesssysteme des ATV-Transporters gelten in Raumfahrtkreisen als außergewöhnliche Meilensteine für die Entwicklung von Raumfahrzeugen der neusten Generation.

Das Ablegen von Jules Verne von der Raumstation ist für August diesen Jahres geplant.

Informieren Sie sich bitte auch auf unserer ATV-Seite über den weiteren Verlauf der Mission.

Quelle/Credit Potos: NASA

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